Ohne Goggles geht der Schwimmer nie ins Nass …

(bas/CvD) Für alle, die sich ein wenig für die Geschichte des Schwimmsports interessieren sei die Website International Swimming Hall of Fame (ISHOF) empfohlen. Ob es um Allgemeines oder um die Heroen des Schwimmsports geht – bei der gemeinnützig arbeitenden Bildungsorganisation wird man fündig. So auch zum Thema Schwimmbrillen. Der folgende Artikel basiert denn auch auf dem englischsprachigen Original – von uns ins Deutsche übertragen und überarbeitet:

Die Einführung der Schwimmbrille …

… in den späten 1960er Jahren in das Wettkampfschwimmen wird allgemein als eine der größten technologischen Umwälzungen und Fortschritte im Schwimmsport angesehen. Zuvor war die Zeit, die ein Schwimmer im Wasser verbrachte bzw. die Länge der Schwimmstrecken, die er trainieren konnte, in erster Linie durch die Auswirkungen von Chlor oder Salzwasser auf seine Augen limitiert.

Heute kann man sich den Schwimmsport kaum noch ohne die obligatorischen Goggles vorstellen. Doch all jene, deren Schwimmerkarriere vor 1970 begann, erinnern sich nur allzu gut an das schreckliche Brennen, die vernebelte Sicht und die gereizten Augen, die einfach zum Schwimmsport dazu gehörten. Augenauswaschen half da herzlich wenig – rote, brennende Augen nach dem Training waren die Regel und bunte Regenbogenfarben tanzten um alle Lichtquellen. Es war mehr als unangenehm, aber irgendwie akzeptierte man es als den Preis, den man für seinen Sport zu zahlen hatte.

Die Geschichte der Schwimmbrille

Die erste schriftliche Erwähnung von Schwimmbrillen datiert aus dem 14. Jh.. Persische Taucher sollen demnach Brillen benutzt haben, deren Gläser aus dünnem, polierten Schildpatt bestanden. Dass solche Brillen den Weg in den Mittelmeerraum fanden, beweist ein Bild venezianischer Korallentaucher aus dem 16. Jh. Seltsamerweise verschwanden diese Brillen aber wieder. Höchst wahrscheinlich, weil die versklavten Ureinwohner Amerikas wie auch Taucher afrikanischer Herkunft, die zur damaligen Zeit den Hauptanteil des kommerziellen Tauchens schulterten, keine Brillen benutzten.

Von den Tauchern Polynesiens weiß man, dass sie sich zum Schutz ihrer Augen und für eine bessere Sicht unter Wasser Brillen aus Bambus oder Holz fertigten. Diese Brillen hatten zwar ursprünglich keine Linsen, schlossen allerdings, sobald der Taucher sein Gesicht unter Wasser nahm, eine Luftblase ein und erlaubten so eine relativ klare Sicht unter Wasser. Später, als ihnen Glas zur Verfügung stand, bestückten die Polynesier ihre Schwimmbrillen mit gläsernen Linsen.

Thomas Burgess

Das erste Patent für eine Schwimmbrille

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Brite Thomas Burgess soll der erste Wettkampfschwimmer gewesen sein, der eine Art Schwimmbrille benutzte, als er 1911 als erster Kanalschwimmer die doppelte Distanz – Dover Calais-Dover – bewältigte. Seine motorradbrillen- ähnliche Schwimmbrille war zwar nicht wasserdicht, reichte Burgess, der den überwiegenden Teil der Strecke in der Brustschwimmtechnik schwamm, jedoch aus, um seine Augen vor dem salzigen Spritzwasser und den Wellen zu schützen.

C. P. Troppmann meldete 1916 das erste Patent auf eine bereits sehr modern anmutende Schwimmbrille an. Das Patent beschrieb eine Brille für das Schwimmen unter Wasser. Ob diese allerdings jemals produziert oder eingesetzt wurde, dazu fehlt jegliche Dokumentation.

Ederles präparierte Motorradbrille

1926 durchquerte die US-Amerikanerin Getrude Ederle (1906–2003) als erste Frau den Ärmelkanal – die gesamte Strecke im Kraulschwimmen. Um ihre Augen vor dem Salzwasser zu schützen, versiegelte ihre Schwester Margaret eine Motorradbrille mit Paraffin und machte sie dadurch wasserdicht.

 

In den 1930er Jahren brachte die steigende Popularität des Freitauchens wie auch später des Gerätetauchens einen großen Fortschritt hinsichtlich Form, Material und Aussehens von Tauchermasken und Schwimmbrillen. Trotzdem eignete sich letztlich noch keiner dieser Brillentypen für das Sportschwimmen. Die Entwicklung nahm allerdings trotzdem an Fahrt auf:

Florence Chadwick bei der Überquerung des Ärmelkanals

1936 meldete ein Walter Farrell ein weiteres Patent für eine Brille als Unterwasserschutz an, vier Jahre später veröffentlichte das Popular Science Magazine Pläne für Schwimmbrillen aus Holz, nach Vorbild der bereits bekannten polynesischen Brillen. Und in den 1940ern und 1950ern schützten Freiwasser-Schwimmer wie die US-amerikanische Langstrecklerin Florence Chadwick (1918–1995), sie durchschwamm als erste Frau den Ärmelkanal in beiden Richtungen, ihre Augen mit großen Gummi-Zweiglasmasken. Im Becken wurden Schwimmbrillen aber immer noch nicht eingesetzt.

De erste Werbung für Schwimmbrillen in Swiming World Magazine

Die erste Werbung für wirklich brauchbare Schutzbrillen für das Sportschwimmen erschien 1968 im Swimming World Magazine. Zum Verkaufshit avancierten sie allerdings noch nicht. Dafür fehlte einfach die heutige Vielfalt an Schwimmbrillen – nur ein Modell war erhältlich, das natürlich leider nicht jedem passte. Viele Schwimmer mochten sich nicht wirklich mit diesen neuartigen Schutzbrillen anfreunden: zu unbequem, eher störend, häufig lief trotz allen Versprechungen der Hersteller Wasser hinein, die Gläser beschlugen schnell und oft verlor man die Brille bei Start oder Wende.

Und da Schwimmbrillen von der FINA zum damaligen Zeitpunkt außerdem als Trainingshilfsmittel – ähnlich wie Fins, Brett oder Pullbuoy – eingestuft wurden, waren sie beim Wettkampf zunächst auch noch verboten. Aber selbst als das Reglement geändert und Brillen erlaubt wurden, schwammen anfangs nur sehr wenige Sportler mit ihnen im Wettkampf.

Der erste Schwimmer, der eine Schwimmbrille und eine Schwimmkappe bei einem internationalen Wettkampf trug, soll der Brite David Wilkie 1970 bei den Commonwealth Spielen gewesen sein. Heute sind Schwimmbrillen ein millionenschweres Zubehör-Geschäft und nahezu jeder Schwimmer trägt eine Schwimmbrille, ob im Training oder im Wettkampf, doch David Wilkie war der erste.

David Wilkie


Quellen:
History of goggles; International Swimimg Hall of Fame
Alle Abbildungen: © ISHOF

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