Tatsachenentscheidungen im Sportschwimmen am Beispiel des Brustschwimmens

(RA Frank Bielau) Bei den 123. Deutschen Meisterschaften vom 31.05.- 05.06.2011 in Berlin (offene Wertung) sind bei Wettkämpfen in der Disziplin Brustschwimmen mehrere Schwimmer disqualifiziert worden.

Die Begründung lautete u. a.:

  • zwei Delphinbeinschläge nach der Wende;

  • zwei Delphinbeinschläge nach dem Start;

  • Delphinbeinschläge nach Brustbeinschlag während der gesamten Strecke;

  • der Schwimmer führte zwei Delphinbeinschläge bei der 150 m Wende aus.

Interessant hierzu, dass die Wettkampfbestimmungen Schwimmen (SW) des DSV e.V. den Begriff des „Delphinschwimmens“ nicht kennen. Anwendung findet ausschließlich der Begriff des Schmetterlingsschwimmens, § 129 SW.

Die ausgesprochenen Disqualifikationen beruhen auf den Meldungen von Verstößen durch die Kampfrichter (Schwimmrichter, Wendenobmann) an den Schiedsrichter.

Bei der Disqualifikation auf Grund von Verstößen gegen die Regelungen des § 128 SW (Brustschwimmen) handelt es sich um eine Kampfrichterentscheidung, die sich auf den tatsächlichen Wettkampfablauf bezieht und somit alle Vorkommnisse zwischen Start und Zielanschlag betreffen (Tatsachenentscheidung, § 138 Abs. 3 Satz 2 SW).

Gegen die Disqualifikation auf Grund einer solchen Tatsachenentscheidung ist das Rechtsmittel des Einspruchs nicht zulässig; § 138 Abs. 3 Satz 1 SW. Das bedeutet, dass aus rechtlicher Sicht keine Möglichkeit besteht, die Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters in die Überprüfung eines Schiedsgerichts des DSV oder eines ordentlichen Gerichts zu stellen. Einfacher ausgedrückt: Gegen eine Tatsachenentscheidung ist nichts zu machen.

Sollte dennoch Einspruch eingelegt werden, so ist ganz klar darzulegen, dass es sich nicht um eine Tatsachenentscheidung handelt.

Von einer einzigen Schiedsrichterentscheidung kann nicht nur der sportliche, sondern auch der damit verbundene finanzielle Vorteil (Einkommen, Sponsoren, Werbung) abhängen. Die Folgen können für den betroffenen Sportler demnach von Fall zu Fall ziemlich einschneidend sein.

Derzeit kann über den Sinn und Unsinn dieser Regelung nur diskutiert werden. Schon über die subjektive Sicht des Kampfrichters auf den Bewegungsablauf des Brustschwimmers während der Tauchphase nach dem Start und der Wende lässt sich trefflich streiten.

Im Ergebnis bleibt es letztendlich bei den Bestimmungen des § 138 Abs. 3 SW.

Die FINA hat, ähnlich wie in anderen Sportarten, für Olympische Spiele und internationale Meisterschaften die Videoaufnahme (Unterwasserkamera) als Hilfsmittel bei Regelverstößen eingeführt (FINA, BL 9.3.6.13 Underwater Camera Protocol, Code of Conduct).

Auf diese Hilfsmittel können Schwimmer außerhalb dieser Wettkämpfe nicht zurückgreifen, so dass es auch in Zukunft die unanfechtbare Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters geben wird.

Rechtsanwalt Frank Bielau
Kasseler Straße 19b
D-06132 Halle (Saale)

Tel: +49 (0) 345 7828492
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