Doping – verbotene Leistungsmanipulation

(CvD) Doping im modernen Hochleistungssport ist keine Erscheinung, die auf die letzten Jahre beschränkt ist und begleitet den Sport auch nicht erst seit den Olympischen Spielen der Neuzeit. Der Versuch, das eigene Leistungsvermögen mit allen erdenklichen Mitteln und Mittelchen zu steigern, ist so alt wie der sportliche Wettkampf selbst. Und immer wieder brandaktuell, wie die jüngsten Doping-Verdachtsfälle aus dem Schwimmsport zeigen.

Neben Schwimm-Olympiasieger und -Weltmeister Cesar Cielo wurden weitere drei seiner Teamkollegen – Henrique Barbosa, Nicholas Santos und Vinicius Waked – Anfang Mai positiv auf das harntreibende Furosemid (Diuretika) getestet. Alle vier verzichteten auf die Öffnung der B-Probe, womit sie das Ergebnis der A-Probe akzeptierten. Der brasilianische Verband beließ es mit einer Verwarnung seiner Schwimmer. Der Weltverband FINA war damit jedoch nicht einverstanden und zog vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS). Aus Sicht der FINA sollen vom Zeitpunkt der Probenentnahme (07./08. 05.2011) bis zu einer Suspendierung alle Ergebnisse der insgesamt vier verdächtigten Schwimmer aus Brasilien aberkannt werden.

Präkererweise kann Cielo selbst entscheiden, ob sein Doping-Fall noch vor dem Start der WM vor den internationalen Gerichthof CAS kommt, da er einer solchen Eilentscheidung zustimmen muss. Nur dann könnte noch vor Beginn der Beckenwettbewerbe in Shanghai über eine mögliche Sperre entschieden werden.

Doping nicht nur im Spitzensport

Der Missbrauch verbotener Substanzen rsp. Wirkstoffe zwecks Leistungssteigerung ist keine alleinige Sache des Profisports und auch nicht auf nur wenige Sportarten begrenzt. Die im Laufe der Jahrzehnte bekannt gewordenen Dopingfälle bezeugen dies eindrucksvoll: Ob Radsport, Leichtathletik, Skilanglauf, Schwimmen, Gewichtheben … kaum eine Sportart in der es um Kraft, Ausdauer und/oder Schnelligkeit geht, die nicht auf der Positiv-Liste vertreten ist, und das ganz gleich, ob wir uns im bezahlten Hochleistungssport oder im Amateur- bzw. nicht wettkampforientierten Freizeitsportbereich umschauen.

Interessanterweise fällt die Einnahme verbotener Mittel im sogenannten Freizeitsport nicht unter den Begriff Doping, sondern unter Medikamenten-Missbrauch und ist in Deutschland nicht strafbar. Ein Umstand, der Selbstmedikamentation und Doping Tor und Tür öffnet. Schätzungen des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln aus dem Jahr 2008 gehen davon aus, dass um die 500.000 Freizeitsportler regelmäßig Anabolika einnehmen. Hierzu gesellt sich noch eine enorme Anzahl von Breitensportlern, die leistungsfördernde Arzneimittel substituieren. Eine schier unübersehbare Grauzone und über die Höhe der Dunkelziffer kann man nur spekulieren. Wo fängt aber Doping an? Wann liegt Doping vor?

Doping, was ist das?

Eine klare, eindeutige Definition für den Begriff Doping zu finden ist und bleibt nicht einfach. Zu komplex das Thema, zu komplex die Tatbestände. Eine pragmatische Kurzfassung des 1995 leider viel zu früh verstorbenen Professor Dr. Manfred Donikes* lautete zu Zeiten meiner eigenen Diplomandenzeit im Institut für Biochemie der DSHS Köln sinngemäß: „Zu Dopingmitteln zählt alles, was der menschliche Körper nicht selbst produzieren rsp. synthetisieren kann und ihm zwecks Leistungssteigerung von außen zugeführt wird.“

Eine einfache und prägnante Umschreibung, die, wenn man sie sehr eng auslegt, aber auch ganz schnell die Kopfschmerztablette oder das Nahrungsergänzungsmittel als Dopingmittel klassifizieren würde. Wie schwierig es ist, eine allgemein gültige Definition des Dopings abzugeben, zeigt das jahrelange Ringen um eine entsprechende Formulierung.

Nachdem es in den 1960er Jahren zu einigen Todesfällen im Radrennsport gekommen war, insbesondere in Verbindung mit der Einnahme von Stimulanzien aus der Reihe der Amphetamine, wurden von den Sportverbänden erste Anti-Doping-Regeln aufgestellt. Der Europarat (Komitee für außerschulische Erziehung) verfasste dazu 1963 folgende Definition:

„Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf. Außerdem müssen verschiedene psychologische Maßnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers als Doping angesehen werden.“

Für eine mögliche Dopingregel und ihrer Kontrolle war diese Definition aber sehr unbefriedigend, da sie nicht eindeutig und klar Sachverhalte festschreibt, die einen kontrollierbaren Regelverstoß darstellen.

Etwas genauer definiert das Internationale Olympische Komitee (IOC): „Doping ist die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Verwendung von Substanzen aus verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden entsprechend der aktuellen Dopingliste.“

Dopingdefinition im Welt-Anti-Doping-Code (WADC)

Derzeit muss die aktuelle Dopingregel der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) als richtungsweisend betrachtet werden. Diese Regel bzw. Definition, die das bis dahin gültige Reglement des IOC erweitert, wurde in dem seit dem 01. 01. 2004 gültigen Welt-Anti-Doping-Code (WADC) zusammengefasst, den fast alle Internationalen Fachverbände in ihren Dopingbestimmungen so gut wie vollständig übernommen haben. Abweichungen zu dieser Regel gibt es bei einzelnen Fachverbänden,wie z.B. bei der IAAF (International Amateur Athletic Federation), sind aber nur geringfügig hinsichtlich der verbotenen Substanzen. Die verschiedenen Abschnitte der Definition sind im Artikel 1 und 2 des World Anti-Doping Codes zusammengefasst:
 

Artikel 1 Definition von Doping
Doping ist definiert als ein ein- oder mehrmaliger Verstoß gegen die Anti-Doping-Regeln wie sie in Artikel 2.1 bis 2.8 ausgewiesen sind.
Artikel 2 Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln
2.1 Die Anwesenheit einer verbotenen Substanz, deren Metaboliten oder eines Markers in einer dem Athleten entnommenen Probe (z. B.Urinprobe des Athleten)
2.2 Die Anwendung bzw. der Versuch der Anwendung einer verbotenen Substanz oder einer verbotenen Methode
2.3 Verweigerung oder Nichterfüllung (ohne ausreichende Begründung) der Abgabe einer Probe nach Aufforderung zur Dopingkontrolle entsprechend der Authorisierung durch die Anti-Doping-Regeln
2.4 Verhinderung der Verfügbarkeit bei Kontrollen außerhalb des Wettkampfes einschließlich des Unterlassens der Aufenthaltsmeldepflicht
2.5 Betrug oder der Versuch eines Betruges bei der Dopingkontrolle
2.6 Besitz von verbotenen Substanzen oder verbotenen Methoden
2.7 Weitergabe jeglicher verbotenen Substanz oder verbotenen Methode
2.8 Anstiftung, Mitbeteiligung, Unterstützung oder Ermutigung zur Anwendung oder zum Versuch einer Anwendung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode oder jegliche Art der Beteiligung an einem Verstoß gegen die Anti-Doping Regeln.

 

Die WADA-Liste der verbotenen Wirkstoffe und Methoden

Zu Beginn eines jeden Jahr aktualisiert und veröffentlicht die WADA  u. a. über www.wada-ama.org außerdem die Liste der in und außerhalb von Wettkämpfen verbotenen Wirkstoffe und verbotenen Methoden als Internationalen Standard.

NADA – die Nationale-Anti-Doping-Agentur

Das nationale Pendant der Welt-Anti-Doping-Agentur ist die Nationale-Anti-Doping-Agentur (NADA) in Bonn. Sie und das Nationale Olympische Komitee (NOK) Deutschland haben per Unterschrift den WADC juristisch anerkannt. Den aktuellen NADA-Code 2009 Version 2.0 wie auch die Verbotsliste kann man bei der NADA bestellen oder auch unter www.nada-bonn.de downloaden.

Hier eine Kurzfassung der Verbotsliste (2011):
 

Substanzen und Methoden, die zu allen Zeiten (in und außerhalb von Wettkämpfen) verboten sind (S0–S5)
S0 Nicht zugelassene Substanzen und Methoden
S1 Anabole Substanzen
S2 Peptidhormone, Wachstumsfaktoren und verwandte Substanzen
S3 Beta-2-Agonisten
S4 Hormon-Antagonisten und -Modulatoren
S5 Diuretika und andere Maskierungsmittel
Verbotene Methoden (M1–M3)
M1 Erhöhung des Sauerstofftransportes (Blutdoping)
M2 Chemische und physikalische Manipulation (auch Infusionen > 50ml)
M3 Gendoping
Im Wettkampf verbotene Substanzen und Methoden (S6–S9) zusätzlich zu S1–S5 und M1–M3
S6 Stimulanzien
S7 Narkotika
S8 Cannabinoide
S9 Glukokortikoide
Bei bestimmten Sportarten verbotene Substanzen
P1 Alkohol (z. B. Bogenschießen, Karate, Luftsport, Moderner Fünfkampf)
P2 Betablocker (z. B. Curling, Golf, Ringen, Schießen, Dart)

 
Wer es noch genauer wissen möchte, hier geht’s zum Download:
Die informatorische Übersetzung der WADA Verbotsliste 2011 und das Informationsblatt Verbotsliste 2011.

* Professor Dr. Manfred Donike entwickelte bereits 1972 für die Olympischen Spiele ein komplettes Analytik-Verfahren für den Doping-Nachweis. Von 1979 bis 1995 war er Leiter des Instituts für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, daneben langjähriges Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC als Sekretär der Subkommission Doping und Biochemie.
 

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