FINA berät Änderungen im Reglement für Brustschwimmer

Brustschwimmen – quo vadis?

(bas/CvD) „Birds do it, bees do it, even educated fleas do it, let’s do it, let’s do the kick …“ ja, zugegeben, er hinkt der Vergleich und man sollte Ella Fitzgeralds neckischen Song nicht wirklich „missbrauchen“. Aber irgendwie drängelte er sich auf …

Delphinkicks nach Start und Wende beim Brustschwimmen?

Wer aufmerksam Unterwasseraufnahmen der letzten großen Meisterschaften (Welt-, Europa. Deutsche, Olympische Spiele) studiert, der sieht sie, und es „kicken“ fast alle. Mehr oder weniger auffällig und vor allem nicht regelkonform. Und wenn man fragt, geben sie es fast alle zu, die großen unter den Brustschwimmern. Vielleicht nicht öffentlich, aber hinter der Hand dann doch, und alle wissen es. Disqualifiziert wird jedoch selten und wenn, dann am allerwenigsten bei den Etablierten. Zugegeben, in all dem Gesprudele und den Verwirbelungen nach Start und Wende ist es von außen für die Kampfrichter nicht einfach zu sehen, speziell die Mittelbahnen eignen sich am besten für den ein oder anderen Plus-Kick. Schön in diesem Video-Ausschnitt bei swimswam.com zu sehen.

Insofern war und ist die Aufregung um Cameron de Burgh (Südafrika), der nach seinem Olympiasieg in London 2012 zugab, dass er mehr als den einen zugelassenen Delphinkick nach Start und Wende einsetzt als die Regeln es erlauben, eigentlich nur ein Sturm im Wasserglas. „Alle tun es – nun, nicht jeder, aber doch 99%“, van der Burgh in einem Interview mit dem Sydney Morning Herald, „Wenn du es nicht machst, landest du ins Hintertreffen und benachteiligst dich selbst.“

Und neu ist die ganze Diskussion wirklich nicht, doch sie hat wieder Fahrt aufgenommen …

… einmal durch das offene Wort van der Burghs und des Weiteren durch den Präsidenten des russischen Schwimmverbandes, Vladimir Salnikov, der im Februar diesen Jahres einen entsprechenden Vorschlag zur Regeländerung bei der FINA einreichte:

Demnach soll der Brustschwimmer nach dem Start für einen kompletten Armzug lang unter Wasser bleiben dürfen, maximal jedoch für 15 m. Während dieser Unterwasserphase sind mehrere Delphinkicks erlaubt. Sobald der Schwimmer die Wasseroberfläche durchbricht, muss der Zyklus wie bisher abwechselnd aus einem Armzug und einem Beinschlag bestehen. Weiterhin soll vor der Wende und vor dem Finish ein zweiter Armzug ohne folgenden Beinschlag erlaubt sein. Nach der Wende soll es bei der bisherigen Regelung mit einem erlaubten Delphinkick während der Unterwasserphase bleiben.

Hintergrund seines Vorschlages ist u. a. die Tatsache, dass der von FINA Executive Director Cornel Marculescu favorisierte Einsatz von Unterwasserkameras als Videobeweis in Salnikovs Augen unpraktisch sei, da immer noch Kampfrichter die Beinbewegung beurteilen müssten, und das Ganze sehr kostenintensiv würde.

Die Technische Kommission der FINA wird am 25. Juli 2013 kurz vor den Beckenentscheidungen der WM in Barcelona, über diese und weitere mögliche Regeländerungen (u. a. Einführung von speziellen Startblöcken für Rückenschwimmer) entscheiden. Auch wenn Salnikovs Vorschlag mit einem „Änderung-empfohlen-Vermerk“ versehen wurde, führende Schwimmnationen unterbreiteten bereits Gegenvorschläge, die lt. swimmingworldmagazine.com allerdings während des Meetings der Technischen Kommission im Juli nicht zur Debatte stehen.

Und wie ist die Meinung der Betroffenen?

Einige Top-Brustschwimmer haben sich öffentlich gegen diese möglichen Änderungen ausgesprochen. So u. a. Ed Moses und Eric Shanteau (beide USA). Moses kreierte gleich einen neuen Stil, den „Butterstroke“, und Shanteau sieht für die Puristen unter den Brustschwimmern keine Chance mehr.

Andere Stimmen befürchten, dass das Brustschwimmen zu einem Witz mutiert. Alle Kurzbahn-Wettbewerbe und die 50-m-Sprintstrecke würden demnach von denen gewonnen, die den besten Delphinkick besitzen und nicht von denen, die die besten Brustschwimmer sind.

Auch die DSTV, die Deutsche Schwimm-Trainer-Vereinigung, diskutiert das Thema und hat dazu eine Umfrage auf den Weg gebracht. Das Ergebnis soll den Delegierten des DSV für den kommenden Kongress der FINA u. a. auch als Entscheidungshilfen dienen. Ähnliches hat bereits die WSCA (World Swimming Coaches Association) angeschoben.

Hier geht’s zur Umfrage des DSTV

Hier die komplette Vorschlagsliste zum Thema mögliche „Regeländerungen“


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