Schwimmtraining mit Paddles?

FINIS® Agility Paddles geschwommen von Alex Studzinski(bas/CvD) Eine häufig aufgeworfene Frage zum Einsatz von Paddles im Schwimmtraining bezieht sich auf den Typ der verwendeten Paddles: „Welche Paddles sind die richtigen für mich?“ Dazu gleich eine Bemerkung vorweg, nicht alle Schwimmsportler benötigen Paddles, einige Spitzenschwimmer mögen überhaupt nicht mit ihnen trainieren. Insofern gibt es keine für alle gleich geltende Antwort.

Paddles sollten daher prinzipiell so ausgesucht werden, dass sie zu den Bedürfnissen des Athleten passen und ihn über einen gewissen Zeitraum unterstützen, den ein oder anderen „Fehler“ auszumerzen bzw. helfen, seine Leistung und vor allem seine Technik zu verbessern.

Paddles werden aus verschiedenen Gründen eingesetzt, einerseits um Fehler bei der Armzugtechnik zu korrigieren und andererseits um möglichst technik- sowie praxisnah Kraft aufzubauen, die es später gilt – ohne Paddles – entsprechend umzusetzen. So helfen beispielsweise Fingerpaddles dabei, die gewünscht hohe Handgelenksposition (Anstellwinkel) zu optimieren, dabei das Wassergefühl beizubehalten und gleichzeitig bereits früh zum Beginn der Zugphase Druck entwickeln zu können, ohne (!) die Schulter zu stark zu belasten.

Die goldene Regel

Ein Training mit Paddles – und dies gilt im übrigen für alle Trainingshilfsmittel – sollte nie mehr als 50 % des gesamten Trainings ausmachen. Ansonsten übertünchen sie schnell Fehler und Defizite anstatt zu helfen und zu verbessern.

Kraftaufbau per Paddles?

Oversized Paddles – scherzhaft auch gerne als „Bratpfannen“ tituliert – werden gerne von Sprintern genommen, um Kraft aufzubauen. Die Idee dahinter – Paddles vergrößern die Fläche des Wasserwiderstands, die der Schwimmer überwinden muss, was seine Muskelkraft und somit seine Zugkraft trainiert und erhöht. So ganz einfach ist’s allerdings nicht. Maglischo (1) äußert dazu in „Swimming Fastest“ berechtigte Zweifel.

Die Entwicklung der Muskelkraft aufgrund des erhöhten Wasserwiderstands ist laut Maglischo sehr minimal, und die Adaptation dieses leichten Overload-Trainings erfolgt einfach zu schnell, um wirklich signifikante Verbesserungen der Sprintfähigkeiten zu erreichen. Der Schwimmer wird zwar mit Paddles schnellere Schwimmzeiten erreichen, dadurch aber im Umkehrschluss nicht auch gleichzeitig seine Schwimmgeschwindigkeit verbessern. Das Sprinten mit Paddles befähigt den Schwimmer, schnellere Zeiten bei verringerter Zugfrequenz zu produzieren – aufgrund der durch die Paddles vergrößerten Abdruckfläche. So weit, so gut.

Die Verbesserung der reinen Schwimmgeschwindigkeit beruht darin, dass der Schwimmer bei gleichbleibender Zuglänge seine Zugfrequenz erhöht oder er bei Erhöhung der Zugfrequenz seine Zuglänge beibehalten kann. Maglischo ist der festen Überzeugung, dass Paddles eine künstliche Verlängerung des Armzugs auf Kosten der Zugfrequenz verursachen. Für die Verbesserung der Schwimmgeschwindigkeit ein wenig wünschenswerter Effekt, weshalb Maglischo kein wirklicher Freund des Sprinttrainings mit Paddles ist.

Wer dennoch gerne sein Sprinttraining mit Paddles aufpeppen möchte, sollte daher ganz genau auf seine Zugfrequenz achten und sie sehr nah an seinen „Wettkampfwerten“ halten. Und das ohne die Zuglänge zu verlieren. Das kostet Kraft, aber die soll ja auch trainiert werden. Zusätzlich sollten die geschwommenen Trainingszeiten schneller sein als die ohne Paddles geschwommenen. Ansonsten wird der Nutzen hinsichtlich des leichten Kraftzuwachses aufgrund der vergrößerten Abdruckfläche mehr oder weniger im Wasser verpuffen. Grundsätzlich sind Oversized Paddles eh nur etwas für wirklich gut im Training stehende Schwimmer, für alle anderen reichen auch fürs Sprinttraining „normal-große“ Paddles.

Techniktrainig per Paddles

Wesentlich weniger kontrovers wird der Einsatz von Paddles zur Verbesserung der Technik diskutiert. So eignen sich zum Beispiel Paddles ohne Befestigungsgummis – wie etwa die FINIS® Agility Paddles – hervorragend dazu, das korrekte Bewegungsmuster zu festigen. Fehler werden postwendend dadurch „gemeldet“, dass der Schwimmer das Paddle verliert. Das Feedback kommt also ohne Umwege direkt beim Schwimmer an.

Finis® Instinct Sculling Paddles

Klein aber oho: Finis® Instinct Sculling Paddles

Fingerpaddles können in allen vier Techniken eingesetzt werden, sind nützliche Helfer in Sachen „Sculling“ und „Wriggen“ – also bestens für Technikübungen einzusetzen. Über ihren Vorteil, die Schulter weniger zu belasten als „normal-große“ Paddles wurde oben bereits hingewiesen. Auch die kleinen gibt es „ohne Strapse“, wie die brandaktuellen innovativen und ergonomisch gearbeiteten FINIS® Instinct Sculling Paddles.

Die richtige Größe

A propos Größe. Vorsicht ist auf jeden Fall beim Einsatz großer Paddles geboten. Sie verleiten unter anderem dazu, den Ellbogen beim Übergang von der Zug- in die Druckphase „fallen“ zu lassen. Ganz besonders, wenn die Paddlegröße über die eigene Handfläche reicht und/oder die Kraft nachlässt bzw. der Schwimmer noch gar nicht über die nötige Kraft verfügt, um überhaupt mit Paddles zu trainieren. Wenig geübten Schwimmern seien daher Fingerpaddles ans Herz gelegt.

Die Qual der Wahl

Paddles – groß, klein, mit und ohne Befestigungsgummis

Paddles – groß, klein, mit und ohne Befestigungsgummis

Jedes einzelne der auf dem Markt erhältlichen Paddles bedient eine spezielle Anforderung. Die Auswahl hängt letztendlich vom verfolgten Ziel ab. Der Trainer sollte die Stärken und Schwächen seines Athleten gegeneinander abwägen, das gewünschte Ergebnis einbeziehen und dann das Paddle aussuchen, was zu den Bedingungen und Umständen am besten passt. Bedeutet: Die Paddles sollten zum Schwimmer und zu den verfolgten Zielen passen und nicht umgekehrt.

Im Übrigen: Jeder Sportler sollte sein eigenes Paddle-Equipment haben und es möglichst nicht mit anderen Schwimmern austauschen. Das Untereinander-Austauschen oder Ausleihen über einen längeren Zeitraum kann fast unbemerkt zu Veränderungen in der Technik und im schlimmsten Falle sogar zu Verletzungen führen. Weil – ja, weil eben nicht jedes Paddle für jeden geeignet ist.

QUICK-INFO für das Training mit Paddles

Größe Die Paddles sollten grundsätzlich nur wenig über die Handfläche reichen. Für weniger trainierte Schwimmer wie auch für Technikübungen sind Fingerpaddles die richtige Wahl.
Befestigung Paddles ohne Befestigungsbänder rsp. -gummis sind solchen mit Befestigungsbändern vorzuziehen. Abhilfe: das Gummiband über dem Handrücken entfernen, das Band um die Finger reicht völlig aus.
Trainingsaufbau Das Training mit Paddles behutsam aufbauen, zunächst nur kurze Einheiten. Nur bereits trainierte Schwimmer können ohne Gefahr, die Schulter- und Ellbogengelenke zu sehr zu strapazieren, ihr Training mit Paddles nach und nach steigern.
Technik Auf einwandfreie Technik achten!
Wann nicht? Paddles haben prinzipiell nichts beim Einschwimmen zu suchen. Auch kein Training mit Paddles, wenn man bereits müde ist.
Wie viel? Maximal 50 % des Trainings sollten mit Paddles, absolviert werden. Und auch das gilt nur für gut trainierte Schwimmer. Für weniger gut trainierte sollten es tunlichst nicht mehr als 25% des Gesamtanteils sein.
Quellenverzeichnis

1 Maglischo, E.W. 2003. Swimming Fastest. Human Kinetics

Bildnachweis

Alle BilderKiste, Monika Zilliken außer Aufmacher: FINIS, INC und Alexander Studzinski

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