Abenteuer Schwimmbad – eine Causerie

Muc_OlympiaSchwimmhalle_2013_bas2

(bas/CvD) Schon viel zu lang schmort der folgende Beitrag eines meiner liebsten – leider mittlerweile gewesenen – Trainingspartner in der Schublade. Und irgendwie hat er – der Beitrag – sich ziemlich gut versteckt gehalten. Was Bernd seinem Tagebuch vor geraumer Zeit anvertraute, das kennen die meisten unter uns Schwimmsportler, die ihr Training zwischen Beruf und Familie absolvieren, ziemlich gut ;-). Training dann, wann Zeit ist, und das ist eben nicht selten zu Zeiten des öffentlichen Badebetriebs. Und dabei kann man allerhand erleben: Auf dann – zu einem nicht ganz ernstgemeinten Exkurs:

 G’schichten aus ‚eam Paulanergarten

(bk) Liebes Tagebuch …,
… ich hasse Freizeitschwimmer. Heute war ein schöner Tag, meine Arbeit in München gedieh prächtig, der Chef der Blutbank war freudig und begeistert und alles lief auf einen Arbeitseinsatz unter 10 Stunden Labor hinaus. Zur Belohnung und weil ich gerade per E-Post meinen Stand in der deutschen Rückenlandschaft der Herren AK 45 von meiner aktuellen Lieblingstrainerin vernommen hatte, gönnte ich mir eine Trainingsrunde im Münchner Olympiabad.

Tolle Sache das! Der Tagesparkplatz nur 3,50 EUR – was kostet dann ein Training? Aaaaber – schon auf dem Weg in die verheißungsvolle Halle meiner Leidenschaften ein Ambiente wie für Götter geschaffen. Weiß-Blauer Himmel, Kinder, Eis, Touristen (also das Motto „Trainieren wo andere Urlaub machen“), funktionierende Geldautomaten und hilfreiche, prospektverteilende Andenkenverkäuferinnen. Hier soll ich trainieren dürfen?

Ab zur Kasse – ohne Warteschlange komme ich zum Gralshüter, der mir freundlich erneut 3,50 EUR abnimmt und auf Rückfrage bestätigt, dass man hier Schwimmen trainieren kann (mit Flossen, Paddles, Schaumstoff und allem was das Herz begehrt [was er wohl sonst meinte bleibt mir leider verborgen])

Der Blick von Oben in die Oly-halle ist der Kracher! Offen, hell, groß, Sitzplätze, eine Arena of wetness, – hier will ich sterben! Eine Treppe tiefer verwandeln sich pathetische Gefühle allerdings in schiere Klaustrophobie. Diagonal gestellte psychedelisch grüne Plexiglaskisten, Meter mal Meter und so hoch, dass bei normal gewachsenen Schwimmsportlern – (beachte den Terminus technicus humanis) ab den Achseln nach oben – alles rausschaut. Egal, ich will Wasser!

Weiter in die Halle, oder wie der Kollege von auf Schalke sagen würde: ins Revier.
Bahn 1–2 links für Normalos
Leine
Bahn 3,
Leine
Bahn 4 für Schul- und Schwimmsportler
Leine
Bahn 5 bis drüben erneut Revier für Normalos
Die eingefriedeten Reviere sind mit je 3–5 „aktiven Wassersportlern“besetzt, toll, es gibt Wasserfreunde in München!

Die nächsten 3,4 km lehren mich Anderes. Nach 400 m einpaddeln sind die Bahnenfreunde 1–2mal überholt. Da heute Zeit und ein schöner Tag ist, plane ich:
3 x 400
4 x 300
Ganze Lage, Arme mit Paddels und Pully, Rückentechnik und lange Strecken, dann sehen wir mal weiter …

Beflügelt von der Schwimmarbeit werfen sich bald zunächst die Kollegen im Nachbarrevier in „Swimgloves“ und hektische Körperverrenkungen und – zu meinem Ärger – immer mehr Wasserpiloten auf meine Bahn. Da kommen dann Figuren wie:

  • Der körperstarke amotorische Freizeitbrustschwimmer mit Riesenbeinschlag, Schere, Taucheskapaden je Zug und Brustwende ohne Handeinsatz…
  • Die bademützenbewährte Kampfschwimmerin mit Überholverot und Wendenvorfahrt (BMW oder Daimler??)
  • Der schleichende Privattriathlet mit Handauflegen und Knieanziehen (beim Kraulbeinschlag …)
  • Der Oberbauch- und brustumfangreiche ich-lass-dich-an-der-wand-nicht-vorbei-du-preiss -Wahlmünchner und
  • die blonde Paddel- und Minifin-schwingende Gutgelaunte.

Wenn man dieses Biotop nun unter Wasser erforscht, umschwommen und lieben gelernt hat, gesellt sich – flugs aus dem Badebereich – gerade noch mal küssend – ein Pärchen grinsender Post-Twens mit einem Sprintversuch über fast 30 m auf die Bahn. Nein, kein Problem – ich bremse gerne aus voller Fahrt mit Paddels …

OK, ich mach dann noch schnell 5 x 200 Arme, Ganze, und die Letzten locker und schaue mir das Treiben nach der Dusche noch von außen an.

Time to go, das Wasser kocht und selbst Haie hätten im Rausch der dahintreibenden Freizeitschwimmer kaum eine Chance, ein Opfer auszumachen. Zumindest keins das schmeckt … 😉

Irgendwie bin ich aber froh, – ich habe im tollen Olympiabad trainiert, hab mir den Paulanergarten und die halbe Bier verdient, habe viele Eindrücke von Freizeitsportlern gewonnen und weiß nun, worauf ich beim Joggen achten muss und werde mir demnächst andere Trainingszeiten in öffentlichen Bädern suchen.

Bildnachweis
Muc OlympiaSchwimmhalle 2013 von Bbb-CommonsEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s