Kunst war olympisch

(bas(/CvD) Die Kunst, – ob in ein-, zwei- oder dreidimensionaler Form, statisch oder bewegt, in der Malerei, der Fotografie oder auch in Text und Wort verpackt –, sie hat mich schon immer fasziniert. Ein spannendes Terrain, auf dem es einiges zu entdecken gibt. Und das auch unter dem Aspekt: Schwimmsport. Die Rubrik „Schwimm-Kunst“ versammelt daher zukünftig, abseits von Trainingsplänen und Wissenschaft, in loser Folge die unterschiedlichsten Fundstücke zum Thema. Viel Spaß dabei 😉

Wie passen Kunst und Sport zusammen?

SFEC_BritMus_Roman_021-2Die Verbindungen von Kunst, Kultur und Sport sind mannigfaltiger, als man vielleicht spontan denken mag. Schaut man sich jedoch zum Beispiel Plastiken und Skulpturen aus der Antike an wird’s offensichtlich – wie etwa bei der berühmten Statue Diskobolos, dem Diskuswerfer. Die rechts abgebildete römische Marmorstatue ist eine der zahlreichen Kopien einer ursprünglich griechischen Bronzestatue. Das Original, der Discobol des Myron, stammte aus dem 5 Jhdt. v. Chr. und stand vermutlich in Delphi. Die damaligen Bildhauer verstanden es jedenfalls bereits in beindruckender Weise die Ästhetik des Sports künstlerisch und vor allem „lebendig“ einzufangen. Der bewegte Körper ist bewegte Kunst – ist Bewegungskunst.

Eine weitere Parallele: Ob Athlet, Maler oder Bildhauer, sie alle müssen für den Erfolg echte Meister ihres Faches sein. Und das geht fast immer nur, wenn man sein Metier vorzüglich versteht und somit ein „Künstler“ in seinem Bereich ist.

Kunst – eine olympische Disziplin

Pierre Frédy Baron de Coubertin – Gründervater der Olympischen Spiele der Neuzeit

Pierre Frédy Baron de Coubertin – Gründervater der Olympischen Spiele der Neuzeit

So oder so ähnlich muss auch Pierre de Coubertin, der Gründervater der Olympischen Spiele der Neuzeit, gedacht haben. Auf Betreiben des rührigen Barons wurde 1906 beschlossen, auch Kunstwettbewerbe bei den Olympischen Spielen stattfinden zu lassen, 1912 wurden sie in Stockholm dann zum ersten Mal durchgeführt. Heute kaum zu glauben, aber Kunst war olympisch. Neben den sportlichen Wettbewerben wurden damit auch Wettbewerbe in Malerei, Bildhauerei, Architektur, Literatur und Musik veranstaltet, wobei man die Sieger – exakt wie in den sportlichen Disziplinen – mit Gold-, Silber-, und Bronzemedaillen ehrte. Ihre Werke mussten nur einer Regel folgen – sie mussten einen Bezug zum Sport haben.

Die Resonanz beim Publikum und die Beteiligung namhafter Künstler war allerdings sehr durchwachsen und es kam wie es kommen musste. 1948 reichten Künstler in London zum letzten Mal ihre Werke ein. Ein Jahr später entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC), die Olympischen Kunstwettbewerbe abzuschaffen und durch Kunstausstellungen zu ersetzen. Alle späteren Bemühungen, die Olympischen Kunstwettbewerbe wieder zu beleben, scheiterten.

Als eine Art „Ersatz“ schreibt das IOC seit den Spielen von Sydney 2000 den sogenannten „Olympic Sport and Art Contest“ aus. Dieser Wettbewerb wird zunächst – in der Verantwortung der Nationalen Olympischen Komitees – auf nationaler Basis durchgeführt, anschließend werden die jeweiligen Siegerarbeiten vom IOC und dem Olympischen Museum in Lausanne international ausgezeichnet.

Notiz am Rande – Pierre de Coubertin führte nicht nur die Olympischen Kunstwettbewerbe ein, er nahm sogar selbst mit einem Gedicht der „Ode an den Sport“ 1912 teil und wurde der erste Olympiasieger der Disziplin Literatur. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym „Georges Hohrod und Martin Eschbach“.  Wer mag, kann die „Ode an den Sport“ hier nachlesen.

 

Bildnachweis
Statue des griechischen Diskuswerfers: „Discobolo“ Townley; By SFEC_BritMus_Roman_021.JPG: Steve F-E-Cameron (Merlin-UK)derivative work: tetraktys [CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Pierre de Coubertin: gemeinfrei

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