Ausflug in die Welt der Mode – Wechselwirkung von Mode und Sportbekleidung

(CvD/bas) Bis zum 20. August 2017 kann man in Hamburg im dortigen Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) eine interessante Ausstellung besuchen – sports / no sports. Sie beschäftigt sich mit „der Wechselwirkung von Mode und Sportbekleidung und richtet den Blick auf gesellschaftliche, formale und ästhetische Zusammenhänge“. Die gezeigten Exponate umfassen den Zeitraum von 1780 bis heute.

Was hat das bitteschön im entferntesten Sinne mit dem Schwimmsport zu tun? Nun, unsere Badebekleidung ist eben auch ein Kind der Mode und wird somit gleichfalls von den unterschiedlichen Entwicklungsphasen der Gesellschaft, den wechselnden Körperidealen und nicht zuletzt von der Textiltechnologie beeinflusst. Das, was wir heute als selbstverständlich im Falle von Schwimmmode und Badebekleidung ansehen, ist das Ergebnis eines langen Prozesses und des ständigen Wandels der Formen und Normen in Sachen Bekleidung – ausgelöst durch den Sport. Für die Frauen waren die Veränderungen im Übrigen weitaus radikaler als für die Männer.

Um im Schwimmsport zu bleiben … ein Teil der Ausstellung befasst sich mit der Entwicklung der Badebekleidung. Sie wird im Laufe der Zeit funktional, entwickelt sich durch neue Materialien und zunehmend körpernahen Schnitten von der Bade- zur Schwimmbekleidung und unterstützt im Idealfall die sportliche Leistung. Dazu werden einige hübsche Exponate gezeigt – vom wadenlangen Badekleid mit Matrosenkragen aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts, einem der ersten Einteiler aus Wollwirkware aus den 1920er Jahren, die übrigens bereits auf Wettkämpfen eingesetzt wurden, über Zwei- und Einteiler, die seit den 1960er und -70er Jahren mit immer weniger Stoff auskommen bis hin zum kompletten Gegenteil, dem dreiteiligen Ganzkörper-Schwimmanzug, dem sogenannten Burkini.

Eine Episode zum Schmunzeln – der sogenannte Zwickelerlass

In den 1920er Jahren sind die Badeanzüge für Männer und Frauen fast identische, schlichte Einteiler aus Wollwirkware. Sie liegen eng am Körper an und bilden dessen tatsächliche Formen ab. Auch das Nacktbaden erfreut sich großer Beliebtheit.

Zur Verteidigung der guten Sitten verkündet daraufhin das Preußische Reichskommissariat 1932 in der Folge eine als „Zwickelerlass“ verspottete Verordnung: „Das öffentliche Nacktbaden ist untersagt. Frauen dürfen nur dann öffentlich baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. Männer dürfen nur baden, falls sie wenigstens eine Badehose tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. In sogenannten Familienbädern haben Männer einen Badeanzug zu tragen.“

Da der keilförmige Einsatz, der Zwickel, dieses so bezeichnete Stoffstück im Schrittbereich, das als eine Art zusätzlich eingenähter Sichtschutz gedacht war, ein Muss war, wurde dieser Erlass im Volksmund als „Zwickelerlass“ bezeichnet.

Er sorgte für enormen Wirbel, große Heiterkeit und entwickelte sich zur Sommerloch-Polit-Posse der Weimarer Republik des Jahres 1932. Zehn Jahre später wurde der Erlass außer Kraft gesetzt. Einen Zwickel, wenn auch dezenterer Natur, findet man allerdings bis heute in so gut wie jeder Badehose und jedem Badeanzug.

Zurück zur Ausstellung in Hamburg …

… wer Spaß an Sport, Mode und Geschichte hat, dem sei ein Besuch dieser kleinen, aber feinen Ausstellung im MK&G ans Herz gelegt.

Die Öffungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
Donnerstag: 10-21 Uhr
Donnerstag an oder vor Feiertagen: 10-18 Uhr
Kassenschluss jeweils 30 Minuten vor Schließung des Museums.

Bildnachweis
© Design 2017 BOOKS&MORE, Monika Zilliken unter Verwendung von Fotomaterial von © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

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