Was macht ein Becken schnell?

Design 2017 BOOKS&MORE, Monika Zilliken unter Verwendung von Fotomaterial von © way funky company, Collingwood Victoria, Australia

(CvD/bas) Wenn Schwimmer fachsimpeln und über „schnelle“ bzw. „langsame“ Becken philosophieren, dann mag das bei so manchem „Nicht“-Schwimmsportler auf Unverständnis stoßen: „Was reden die denn für einen Blödsinn? Becken ist Becken, entweder ist’s 25 m oder 50 m lang, Wasser ist auch drin, also was soll das?“

Weit gefehlt, so einfach ist es nämlich nicht. So wie Leichtathleten dem ein oder anderen Stadion eine schnelle Bahn attestieren, so gilt dies auch für Schwimmbecken. Doch was macht sie aus, die schnellen Becken, in dem Rekorde leichter purzeln als in sogenannten langsamen Becken? Becken, in die man reinspringt und sofort merkt, das da irgendetwas anders ist.

Faktor 1 – der Wellengang

Wer jemals im Freiwasser geschwommen ist, weiß, wie ein erhöhter Wellengang einem das Leben schwer machen kann. Sogenannte Wave-Killer-Leinen unterbinden recht gut die Turbulenzen, die die Schwimmer selbst verursachen. Die Wellen werden gebrochen. Überlaufrinnen an den Seiten sorgen weiterhin dafür, dass Wellen seitlich auslaufen und nicht vom Beckenrand zurückgeworfen werden. Wer die alten Bäder noch kennt, mit hohem Beckenrand, der kann hiervon bestimmt ein Liedchen singen. Eine Außenbahn in einem solchen Wettkampfbecken zu bekommen, das war und ist wahrlich nicht förderlich für gute Zeiten.

Richtige Top-Wettkampfbecken trumpfen diesbezüglich nicht nur mit einer Überlaufrinne auf, hier wird sogar rechts und links je eine zusätzliche Bahn abgetrennt, wodurch die Voraussetzungen für alle Schwimmer gleich sind, also auch die Außenbahnen keine Nachteile haben.

Faktor 2 – die Beckentiefe

Oft unterschätzt wird die Tatsache, dass Wellen und Turbulenzen im Wasser auch etwas mit der Tiefe des Beckens zu tun haben. Der Schwimmer verursacht durch seine Aktivitäten im Wasser Verwirbelungen in alle Richtungen – also auch nach unten. Flache Becken „katapultieren“ diese Verwirbelungen recht unsanft wieder zurück und der Schwimmer kämpft gegen seine eigenen Wellen. Im übrigen ein Aspekt, den man auch bei der Wende in Betracht ziehen sollte … aber das ist ein anderes Thema. 😉 Zurück zur Beckentiefe – je tiefer der Pool ist, desto schwächer sind die Auswirkungen der zurückgeworfenen Verwirbelungen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Becken eine einheitliche Tiefe aufweist. Becken mit beispielsweise einem abgesenkten Sprungbereich unter dem 3-m-Turm, verursachen auch wieder stärkere Verwirbelungen.

Faktor 3 – die Strömung

Von irgendwoher muss nun einmal das Wasser ins Becken kommen und dafür braucht’s Einlaufdüsen. Diese Einlaufdüsen sind aber unter Umständen nicht immer optimal gesetzt. So kann es sein, dass Schwimmer auf den Außenbahnen mit einer seitlichen Strömung zu kämpfen haben, die durch dort angebrachte Einlaufdüsen verursacht werden. Auf Start- und Wendeseiten platzierte Düsen können sich als Schubhilfe oder aber auch als Gegenstrom entpuppen. Planer eines schnellen Wettkampfbeckens sorgen daher dafür, dass solche Düsen möglichst gleichmäßig verteilt sind und wenig bis gar keine Strömungen verursachen.

Faktor 4 – das Wasser selbst

Ja, das gibt es, das schnelle Wasser. Beim Trinkwasser hat es wahrscheinlich schon jeder bemerkt, das Wasser aus Köln schmeckt anders als das Wasser in Bayern, anders als in Hamburg und wieder anders als in der Eifel. Warum? Jedes Wasser hat seine eigene Zusammensetzung aus vielen unterschiedlichen Komponenten, um hier nur einmal die Mineralstoffe zu nennen.

Auch wenn das Schwimmbadwasser gesetzlichen Verordnungen unterliegt, basiert es auf dem jeweiligen Trinkwasserangebot seiner Region. Insofern ist es mal mehr mal weniger kalkhaltig, fühlt sich mal härter oder schwerer oder auch wieder weicher an. Passionierte Schwimmer haben da ein Händchen für und fühlen dies gleich beim Kontakt mit dem Wasser rsp. mit dem ersten Schwimmzug.

Richtig flott wird ein solches Wasser übrigens, wenn ein gewisser Prozentsatz Meerwasser zugesetzt wurde. So wie beispielsweise im Pieter-van-den-Hoogenband-Bad in Eindhoven.

Faktor 5 – die Startblöcke

Die älteren unter uns kennen diese hohen, glatten klobigen Startblöcke von früher sicherlich noch. So nach und nach verschwinden sie und machen Platz für die neuen Startblöcke, die seit Etablierung des aus der Leichtathletik abgeschauten Trackstarts „state of the art“ sind. Ein guter Start ist eben nicht unerheblich für gute, schnelle Zeiten. Insofern sind diese Startblöcke ein Muss für jedes Wettkampfbecken, das zur Liga der schnellen Becken zählen will.

Ergo … es gibt sie … die schnellen Becken ;-))

Bildnachweis
© Design 2017 BOOKS&MORE, Monika Zilliken unter Verwendung von Fotomaterial von © way funky company, Collingwood Victoria, Australia

Advertisements